…im Dezember 2018 / Januar 2019, mit Fotos von Ulrike Hartmann und Werner Pfeifer

Diesmal machten wir uns mit einer kleineren Gruppe von sieben Erwachsenen und einem Kind auf die weite Reise zum Lebendigen Museum des Little Hunters’ Village, im nur über hunderte Kilometer Sandpiste erreichbaren Nordosten Namibias.

Werner Pfeifer schenkt uns vom ersten Moment direkt nach dem Flug nach Windhoek seinen jahrzehntelang geschärften Blick eines Einheimischen in Namibia, der die Tier- und Pflanzenwelt, die Geologie und die gesellschaftlichen Umstände im Land so richtig gut kennt.

Es ist wie ein Traum, schon kurz nach dem Flug neben der Straße plötzlich Giraffen zu sehen, oder die mit ihren großen breiten Schnauzen und borstigem Fell lustig anmutenden Warzenschweine.

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Sicher begleitet uns Werner in seinem Busch-Bus durch die Stadt Windhoek und die unendlich weite Landschaft dieses trockenen Landes, bis wir zwei Tage später auf einem Campingplatz fünf Fußminuten vom Dörfchen //Xa/oba entfernt ankommen.
Das Dorf liegt auf dem großen Gebiet des Nye-Nye Conservancy, einer Art Landschaftsschutzgebiet, der einzigen Region im gesamten südlichen Afrika wo Buschleute noch jagen dürfen. Die Regenzeit ist spät dran in diesem Jahr und das Land liegt trocken und karg vor uns.
Das Wiedersehen am ersten Abend ist herzlich und ich freue mich so, die Gesichter vom letzten Jahr wiederzusehen ­– die Älteren noch mehr gealtert, die ganz Kleinen enorm gewachsen und die Jugendlichen erstaunlich gereift.

 

20181216-IMG_5855Die

Die ersten Tage verbringen wir kurzweilig, gehen Pflanzenmaterial für Handwerksprojekte sammeln und gemeinsam mit einer Horde Kinder und Erwachsenen von der Landschaft kosten.
Die Männer graben für uns einen Skorpion aus, etwa fünfzehn Minuten braucht es, um die verwinkelten unterirdischen Gänge des gefürchteten Krebstieres zu verfolgen und letztendlich das kleine giftige Wesen herauszuziehen, das blitzschnell zum Angriff übergeht und den ältesten der Männer in den Finger sticht. Zum Glück ist der Stich nur so schlimm wie ein Hornissen- oder Bienenstich, etwa drei Tage lang wird der alte Mann eine schmerzhaft geschwollene Hand davon haben.

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Oft sind wir als ganze Gruppe unterwegs mit unseren Guides, zum Beispiel beim Erkunden der Fährten rund um unser Camp, wo mehrmals das halbe Dorf, mit Kindern und Alten mitkommt und wir neben den Spuren der Säugetiere auch die der Skorpione, Grillen, Käfer und einiger Vögel kennenlernen. Manchmal teilen wir uns auf, je nach unserem Interesse, so stellen die Männer einmal gemeinsam den Korpus der zarten aber äußerst effektiven Buschmann-Pfeile her, und wir Frauen sitzen ein Stückchen weiter mit den jungen Ju’hoansi-Frauen zusammen, zeichnen Bilder in den Sand, um uns auch ohne Dolmetscher zu verständigen, und wir probieren mit ihnen stampfend hüpfende Tänze und über dem warmen Sand flirrende Lieder aus.

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Meistens besteht unser Tag aus einem frühen und kurzen Morgen, über die Mittagsstunden haben wir Pause für Hängemattenzeit, Lesen und Erholung in der manchmal drückenden Hitze. Währenddessen gibt es oft Besuch von Dorfkindern, die dann mit unserem 12jährigen Elia stundenlang Spiele spielen.
An den Nachmittagen, wenn es langsam wieder kühler wurde, gibt es noch mal Zeit für gemeinsame Unternehmungen.
IMG_2849Im Dorf gibt es einige Meister-Tracker, die nach dem international etablierten, von Louis Liebenberg entwickelten Cyber-Tracker System auch Evaluationen abnehmen, und von denen einige schon mehrmals in Europa bei Tracking-Konferenzen und als Fährtenleser für verschiedene Projekte mit dabei waren. Mit ihnen oder auch alleine mit Werner, der ebenfalls ein hervorragender Fährtenleser ist, machen wir uns mehrmals auf, um uns intensiver mit der Bestimmung der Spuren im Sand zu beschäftigen. Es sind himmlische Bedingungen, nicht nur der gerade richtig weiche, aber nicht zu tiefe Sand machen es sehr leicht, sondern nun auch immer wieder kurze Regenschauer, die den Boden zwischendurch „rein“ wischen und klarste Bedingungen für die neuen Spuren nach dem Regen schaffen.

P1250280Es ist himmlisch, die Trittsiegel von Tieren wie Leoparden, Geparden, Oryx und Kudu zu finden, auch von Straußen, Wildkatzen, Erdwölfen und vielen anderen spannenden Säugetieren und Vögeln. Ein paar mal folgen wir einer bestimmten Fährte über einen längeren Zeitraum und lassen uns von einem Tier auf seinem Weg durch die Landschaft führen. Wir sehen in den Spuren, wo der Strauß dem wir folgen sich flach auf den Boden drückt, um sich vor uns zu verbergen, und dann doch weiterlaufen muss, als wir uns nähern. Oder wie behände die doggen-große Tüpfelhyäne durch den dickichten Busch ihren Weg findet, in Schlängellinien geradeaus, vielleicht gelockt vom Duft eines toten Tieres.

Die Buschleute behalten die ganze Zeit die Orientierung in der für uns völlig verwirrenden, flachen Savannen-Landschaft, wo wir innerhalb kürzester Zeit nicht mehr wissen, in welcher Richtung sich Auto oder Zuhause befinden.

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Und sie schaffen es, die Spur immer weiter und weiter und weiter zu finden, selbst durch dichten Grasbewuchs, wo wir anderen sie leicht verlieren. Sie lassen uns abwechselnd der Fährte folgen und wenn wir nicht mehr weiterwissen, helfen sie, zeigen uns, wie es geht. Überhaupt scheint so die Buschmann-Pädagogik zu funktionieren… die Erwachsenen tun was sie tun, bis die Jüngeren (oder wir!) Interesse daran haben, es auch zu lernen. Dann dürfen sie (und wir J) es ausprobieren, ohne große Anleitung, ohne lange Vorreden, einfach machen. Und wenn’s zu sehr neben dran geht, greifen die „Lehrer“ ein, wobei das leitende Prinzip „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“ zu sein scheint. Das Lernen fühlt sich entspannt und frei an, und ist ein sicherer Raum, wo Fehler aller Arten mit Wohlwollen und Mitgefühl und liebevollem Humor bedacht werden.

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Auf unsere Frage, wann und wie die Ausbildung der Jungen für die Jagd beginnt, erzählen mehrere Buschleute, dass das voll und ganz davon abhängt, was der Junge „anzeigt“. Sein persönliches Interesse ist der Motor, und die Erwachsenen begleiten ihn Schritt für Schritt bei dem, wozu er innerlich bereit ist und Lust und Interesse daran bekundet: Minibogen bauen, Fallen stellen, mit den Alten auf die Jagd gehen, selbst mit Pfeil und Bogen jagen und die Beute weiter verarbeiten – es hängt alles davon ab, wann er selbst soweit ist, und ob, denn nicht alle Jungen wollen überhaupt Jäger werden.

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Gemeinsam mit drei Buschmännern und nur wenigen von uns auf die Jagd zu gehen ist ein Abenteuer das in mir tiefe Sehnsucht weckt. Als Mensch fühle ich mich klein und schwach in dieser weitläufigen Landschaft voller Gefahren. Auch die drei fast nackten Männer die vor uns laufen, nur mit Pfeil und Bogen und Speeren ausgerüstet, scheinen so verletzlich und angreifbar. Abwechselnd schleichen und pirschen wir langsam und lautlos, wenn Oryx oder Pferdeantilopen, Steinböckchen oder Kudu nah sind, oder eilen schnellen Schrittes über die vor Hitze flirrende Ebene, wenn wir woanders hin wollen, damit die Tiere keinen Wind von uns bekommen, oder wenn wir ihnen in ihrer Fluchtbewegung zuvorkommen und auf diese Weise auflauern wollen.

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Elektrisierende Spannung füllt die Luft wenn einer der Dreien, `Naishi, alleine loszieht, um den Schuss zu platzieren. Immer klappt irgendwas nicht. Einmal ist er fast an der Herde von Oryx angekommen, zielt schon, als ein zurückgebliebener Bulle direkt neben ihm aufschreckt, den er übersehen hatte. Alle toben davon, zurück bleibt nur Staub. Ein anderes Mal flüchten die Pferdeantilopen, obwohl sie `Naishi nicht bemerkt haben. Der Grund ist eine Elefantenherde, der er nun selbst schnell und unbemerkt ausweichen muss.
Mit für uns günstigem Wind können wir die heutzutage gefährlichen Riesen eine Zeitlang aus der Nähe beobachten. Die Mütter und Babys planschen im schlammigen Wasserloch, bis ein Kleines steckenbleibt. Eine andere Herde nähert sich und Panik kommt auf. Die Alten probieren das Kind rauszuziehen oder zu schieben, während eine größere Elefantenkuh zurückläuft und sich drohend gegen die ebenfalls gereizte Anführerin der anderen Herde stellt. Kurz scheint es, dass eine von beiden in unsere Richtung ausbrechen würde, und die Buschleute rennen los und rufen: „Lauft, lauft weg!“ Nur ein kurzer Schreckmoment, zum Glück können wir wenige Meter weiter wieder anhalten, das Baby ist frei und alle Elefanten beruhigen sich wieder.
So winzig empfinde ich uns in der Nähe dieser riesigen Mit-Wesen, deren Trittsiegel manchmal so lang sein können, wie mein ganzer Arm, und die unvorstellbar viel Kraft haben.

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Die Buschleute lachen und wir lachen mit, erleichtert. Nachdem die zweite Herde getrunken und gebadet hat, geht Tsamma auf sie zu und schimpft sie laut auf Englisch an: „Hey ihr Kerle, verschwindet, los, macht euch weg hier, haut ab!“ Und wirklich merken sie sofort auf und ziehen sich zügig zurück. Wir sind total verblüfft. Später erzählt er uns, dass er das schon oft so gemacht hat, es aber nur ginge, wenn man nicht im Wind stehe. Wenn sie nicht riechen können, was da rummotzt, würden sie sich vorsichtig verhalten, selbst wenn man ganz nah von ihnen überrascht würde. Sobald sie aber witterten, dass wir Menschen sind, sei ein Angriff möglich und wahrscheinlich. Was ich mitnehme ist einmal mehr Gefühl dafür, wie fein der Grat zwischen Leben und Tod hier in der Kalahari sein kann, und wie viel Erfahrung und Wissen es braucht, um trotzdem sicher zu sein.

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Das moderne Leben macht manches sicherer, zum Beispiel schützen Stirnlampen nachts davor, auf jagende Spinnen oder Skorpione zu treten, Schuhe schützen die Füße auch tagsüber vor den Dornen und dem heißen Sand, und Hunde schützen das Dorf vor Hyänen- oder Elefantenbesuch.
Es bringt aber andere Gefahren, schleichender, und ein erst langsam wachsendes Wissen darüber, wie mit ihnen umgegangen werden kann.
Drogen wie Alkohol oder Marihuana sind im Umlauf in der Region und viele Buschleute in ganz Namibia sind schwer alkoholabhängig und leben in absolutem Elend.

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Ein junger Mann vom Hunters Village wird beim Einkaufsausflug mit uns in der großen Stadt ausgeraubt – alle Einnahmen der Gemeinschaft von einer ganzen Arbeitswoche und noch ein Vorschuss den wir ihnen gegeben hatten sind weg, auf einen Schlag.
Von der Verwaltung bekommen die Buschleute ab und zu Lebensmittel: vor allem Öl zum Braten, mit Vitaminen angereichertes Maismehl und viel Zucker – das Gegenteil ihrer traditionellen Ernährung aus Wildpflanzen und selbst gejagtem Fleisch. Im örtlichen Laden, etwa 30 Autominuten entfernt, gibt es kaum Gemüse oder Obst, dafür massenweise überteuerte Fertigprodukte von Nestlé, alle mit Zucker.
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An der Kleidung vor allem der jüngeren Menschen wird sichtbar, wie viele westliche Schönheitsideale hier schon Einzug gehalten haben. Und die Spiele der Kinder sind verglichen mit meinem letzten Besuch in 2018 deutlich verändert, viel mehr Spiele scheinen mir diesmal aus der Schule zu kommen, sind angelehnt an westliche Spiele, wo es auch ums Kämpfen geht – etwas das es bei Buschleuten traditionell nicht gab. Waren sie im letzten Jahr noch nicht so verankert? Oder war es mir nur nicht aufgefallen?
Vor allem die knapp 60 Ziegen, die die Regierung vor einigen Jahren dem Dorf „geschenkt“ hat, sind ein großes Problem. Sie fressen einfach alles, und das bisher noch ursprünglich wilde Gebiet rund ums Dorf wird durch die Anwesenheit der Ziegen stark verändert. Die ohnehin kargen essbaren Pflanzen der Kalahari sind so schnell aufgefressen von einer ewig hungrigen Ziege, so dass tatsächlich die Nahrungsgrundlagen der Buschleute eher bedroht sind als verbessert. Und aufessen sollen sie die Ziegen nur wenn sie sich trotzdem vermehren und eine bestimmte Population erreicht ist. Das Ziegenprojekt ist somit leider eines der sinnlosen Entwicklungshilfeprojekte, die mehr Schaden als Nutzen anrichten, weil sie die Bedürfnisse vor Ort überhaupt nicht berücksichtigen.

IMG_2463Das selbstorganisierte und selbstverwaltete „Lebendige Museum“ dagegen ist eine andere Art von Entwicklungs-Ermöglichung, angepasst an die Menschen und mit aller Freiheit selbst zu gestalten. Werner Pfeifer hat inspiriert von seiner Tätigkeit als Experimenteller Archäologe in Steinzeitmuseen hier in Deutschland den Impuls dafür gegeben. Die gesamte Organisation und alle Entscheidungen vor Ort liegen bei den Buschleuten, in der Gemeinschaft, wo traditionell alle im Konsens entscheiden, was getan wird. Auch die Einnahmen gehen komplett an die Gemeinschaft.

Es ist ein gutes Leben für sie, erzählen uns viele, sie sind stolz darauf, Ju’hoansi zu sein, und es macht ihnen Spaß, ihre Fertigkeiten mit uns zu teilen und uns Sachen beizubringen, und auf diese Weise ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Das traditionelle Wissen und die Fertigkeiten des Lebens mit dem Land, welche bei der Gründung des Museums nur noch die Alten hatten, wird seitdem nicht nur an die Besucher und Touristen weitergegeben, sondern auch an die Jungen und noch Jüngeren.

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Ein besonderer Moment unserer Reise ist für mich, als am Weihnachtsmorgen (ja, auch die Ju’hoansi feiern Weihnachten) Werner mit einem ganzen Haufen Kinder in seinem Busch-Bus vorfährt und zwei von uns Touristen aufgabelt, damit wir den großen Kessel holen, in dem der Weihnachtsschmaus fürs Dorf gekocht werden soll. In fünf Minuten sind wir bei der kleinen Dorfschule angekommen und der Kessel ist gewaltig groß, so groß wie der Zaubertrank-Kessel von Miraculix, aus dickem Gusseisen. Die Kinderaugen leuchten erfüllt und begeistert, voller Vergnügen am Moment und voller Vorfreude.
Es berührt mich sehr, mir vorzustellen, was aus diesen Kindern eines Tages werden wird. Wie werden sie die Kultur ihrer Vorfahren weitertragen? Welche Form werden sie ihr schenken? Wie wird ihre Verbindung zum Land sein, zur Natur um sie herum und ihn ihnen? Und wie kann ich sie dabei unterstützen, ein verbundenes, friedvolles glückliches und freies Leben zu führen?

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Kurz darauf lernen wir !Amashe kennen, einen Mann der von einem anderen Buschmann-Volk stammt und der Beh, eine Ju’hoansi Frau, geheiratet hat. Lange Zeit war er der Ansprechpartner eines anderen Living Museums, in Grashoek, etwa zwei Autostunden entfernt.
Jetzt lebt er mit Großfamilie und Freunden bei Tsumkwe, mit denen gemeinsam er eine neue Dorfgemeinschaft gründet.
Einfühlsam und präsent begleitet !Amashe uns durch den Nachmittag. Für jeden findet er etwas zu tun, das begeistert, so dass wir alle ins Mitmachen kommen. Wir hängen mit unseren Augen an seinen geschickt werkelnden Händen, genießen seine einladende Freundlichkeit und die Freude am gemeinsamen Tun.IMG_E0477Super flink werden verschiedene Projekte gestartet und einige auch abgeschlossen, alles scheint leicht zu sein, genau das richtige Material ist da oder wird schnell geholt, ein paar Verwandte und Freunde helfen mit und alles geschieht im Fluss.
Mit schockierender Offenheit erzählt !Amashe uns davon, wie seine Frau Beh mit einem Messer auf ihn einstach, als sie vor vielen Jahren beide völlig betrunken waren. Es war ein Streit darüber, wer Wasser holen gehen soll. Breite und lange Narben zeugen davon, von einem Moment der so schrecklich war, dass er ein Wendepunkt werden konnte.
Beide entschlossen sich, dem Alkohol abzuschwören, der viel in ihrem Leben zerstört hatte. Gänsehaut bringt seine leise und bestimmt gesprochene Vision vom Erhalt der Kultur, vom lebendig halten dessen, was sie als Buschleute ausmacht, was für sie überlebenswichtig ist.
P1250363Beh ist mit dabei und ernsthaft und eindringlich werden ihre sonst so weichen Blicke, das Leid das sie beide durchgemacht haben wird spürbar, und in ihren Augen funkelt klar und frei der Wille, ein besseres Leben zu erschaffen und möglich zu machen für sich selbst und die Generationen der Zukunft.
Auch die Meister-Tracker ’Ui, seine Frau No’shae und einige andere wollen ein neues Dorf gründen. In den letzten Jahren hat es viele Gespräche darüber gegeben, wie damit gut umgegangen werden kann, dass einige im Dorf sich als Meister-Fährtenleser entwickeln, dafür auch immer mehr Beachtung von außen bekommen, und das Fährtensuchen mehr und mehr ihr Herzensthema wird, dem sie sich vollständiger widmen wollen, dafür auch eine Tracking-Schule gründen wollen.

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Nach vielen Beratungen miteinander und mit vertrauten Freunden wie Werner, wurde im Little Hunters Village die Entscheidung getroffen, dass die Gruppe ein neues Dorf gründen wird, etwa 15 Auto-Minuten entfernt von der alten Dorfgemeinschaft. Die Verschiedenheit der Lebensentwürfe wird durch die Trennung anerkannt und bestätigt, und in Einigkeit können nun eigene Wege gegangen werden, in Verbindung und gegenseitiger Unterstützung.
Für mich hat die Zeit mit den Ju’hoansi wieder viel mehr Fragen aufgeworfen, als wir Antworten finden konnten. Wie viele andere Völker der Erde stehen sie an einem Scheidepunkt in der Geschichte: Die Ältesten von ihnen sind noch als Jäger und Sammler durch die Kalahari gestreift, haben relativ frei gelebt, trotz der zunehmenden Unterdrückung von außen. Ihre Erinnerungen an das alte Leben sind so nah, können noch erzählt werden, vieles von dem alten, zig Jahrtausende lang immer mündlich überlieferten Wissen ist noch da.

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An vielen Orten weltweit können wir sehen, wie innerhalb nur einer Generation dieses Wissen vollständig verloren geht, weil es dem Druck der Kirche und der oft durch missionarisches Gedankengut gefärbten Bildungssysteme, der Politik, der globalen Wirtschaftsmächte, des Fortschrittsstrebens und der bis in den entlegensten Winkel der Erde präsenten Verlockungen des Konsums nicht standhalten kann.

Ich schaue in die Augen der Kinder, die übereinander gestapelt in Werner’s Busch-Bus sitzen und kichern und scherzen, und wünsche es mir so sehr, dass auch sie ein Leben mit der Natur, für die Natur und für die Menschen leben und an ihre Kinder und Kindeskinder weitergeben können. Ich denke daran, wie meine Elterngeneration, die zum Ende des Krieges Geborenen, die auf dem Land aufwuchsen, noch so viel wussten, über die natürliche Welt, so viel mitbekamen. Wie der Schatz an mündlich überlieferten Erfahrungen in der Natur immer schmäler wurde, von Generation zu Generation, und wir heute massenweise Kinder um uns haben, die einen Großteil ihrer Kindheit an Videospiele und soziale Medien verlieren.
Ich glaube, dass wir ein Wissen über die Natur, das aus authentischer, gelebter Verbindung zur Landschaft erwächst, heute dringender denn je brauchen, vor allem wenn es auf eine Weise genutzt wird, durch die gesunde und förderliche Synergien zwischen dem Alten und dem Modernen entstehen.
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Auch ich hier in Europa sehne mich nach einem Leben in inniger Verbindung zur Landschaft und zur Erde, aus der eine Fürsorge für das Land erwächst, so dass meine Entscheidungen und mein Handeln Vielfalt und Fülle erschafft, für alle Wesen.
Ich weiß auch nach dieser zweiten Reise nicht sicher, wie wir die Ju’hoansi in Namibia am besten unterstützen können. Was ich von dieser zweiten Reise mitnehme ist jedenfalls ein kraftvoller Wunsch, im lebendigen persönlichen Austausch zu bleiben, und so nach und nach gemeinsam herauszufinden, was wir von ihnen lernen können und wie und womit wir ihnen hilfreich sein können uns wie wir ein Stück weit gemeinsam mit ihnen bewahren können, was wir alle für die Zukunft unseres Planeten gut gebrauchen können.
Deshalb fliegen wir wieder hin – die nächste Reise findet vom 22. Januar bis 19. Februar 2020 statt.

Eindrücke von unserer ersten Reise zu den Ju’hoansi im Spätherbst 2017 findest du hier… 
Hier kannst du mehr über das Little Hunters Village und die anderen Lebendigen Museen in Namibia erfahren, die für Touristen geöffnet sind…

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